Indikatoren – Der gleitende Durchschnitt (GD)

Der gleitende Durchschnitt (engl. „Moving Average“ (MA)) ist ein Sammelbegriff für eine Familie häufig verwendeter Indikatoren der technischen Analyse.

 

Gleitender Durchschnitt GD S&P

 

Welche Funktion erfüllt der GD?

Beobachtet man die Kursentwicklung einer Aktie über einen längeren Zeitraum hinweg, so ist diese großen und oft abrupten Schwankungen unterworfen.

Der gleitende Durchschnitt ist eine Methode, diese meist schwierig zu interpretierenden Kursverläufe zu „glätten“ und somit sich ankündigende Kursveränderungen zuverlässiger zu erkennen.

 

Welche Arten des GD gibt es und wie werden diese berechnet?

Den einfachen gleitenden Durchschnitt erhält man, indem man eine Anzahl von N Kurswerten (z.B. die Schlusskurse einer Aktie über einen Zeitraum von 20 Tagen) summiert und das Ergebnis durch die Anzahl der Werte teilt. Diesen Durchschnitt nennt man gleitend, da an jedem Börsentag der jeweils aktuellste Schlusskurs hinzugenommen und der bis dahin älteste Wert verworfen wird. Je mehr Werte man für diese Durchschnittsbildung verwendet, um so größer ist der Glättungseffekt und um so geringer der Einfluss eines einzelnen sich verändernden Kurswerts.
Der Formelausdruck für den gleitenden Durchschnitt an einem bestimmten Tag t ist also:

GD(t) = (KW(t)+KW(t-1)+…+KW(t-N+1))/N

Der einfache gleitende Durchschnitt ist zwar für viele Kursanalysen ausreichend, weist aber zwei mögliche Probleme auf:
1. Kurswerte die länger als die vorgegebene Anzahl von Tagen zurückliegen, fallen völlig aus der Betrachtung. Somit gehen Informationen über die tatsächliche Kursentwicklung verloren.
2. In der Berechnung des GD haben alle Kurswerte gleiches Gewicht, obwohl für eine Prognose die Kurse der vergangenen ein oder zwei Tage möglicherweise wichtiger sind als ältere Werte.

Um diesen Problemen Rechnung zu tragen, existieren alternative Methoden gleitende Durchschnitte zu berechnen. Man spricht hier von gewichteten gleitenden Durchschnitten:

Der linear gewichtete gleitende Durchschnitt ermöglicht es jedem Kurswert mit einem individuellen Gewichtungsfaktor G auszustatten und somit z.B. aktuelleren Kurswerten größere Bedeutung zu geben.
Die Formel lautet: LGD(t) = (G1*KW(t)+G2*KW(t-1)+…+GN*KW(t-N+1))/(G1+…+GN)

Der exponentiell gewichtete Durchschnitt bietet neben der Möglichkeit einer individuellen Gewichtung G der aktuellsten Kurse auch den Vorteil beliebig weit zurückliegende Kurswerte zu berücksichtigen.
Die Formel lautet: EGD(t) = G*KW(t)+(G-1)*EGD(t-1) für 0 < G < 1

 

Wie wird der GD in der technischen Analyse verwendet?

Der gleitende Durchschnitt verwendet ausschließlich Informationen über vergangenes Kursverhalten (Trendfolger) und hat somit für sich betrachtet keine Vorhersagekraft für die zukünftige Kursentwicklung. Trends werden aus dem Vergleich von vergangenem und gegenwärtigem Kursverhalten abgeleitet.

Liegt der aktuelle Schlusskurs über dem gleitenden Durchschnitt der Schlusskurse der vergangenen N Tage, so wird dies als Kaufsignal interpretiert. Unterschreitet umgekehrt der Schlusskurs diesen Durchschnitt so liegt ein Verkaufssignal vor.

Verwendet man für die Berechnung des gleitenden Durchschnitts nur Kurswerte aus der unmittelbaren Vergangenheit (kleines N) so liegt der GD stets nahe am aktuellen Kurswert und starke Kursbewegungen können zu häufigen Änderungen der Signale führen, was das Erkennen von Trends erschwert. Bildet man den GD dagegen über längere Zeitspannen so ist der Abstand zum aktuellen Kurswert unter Umständen zu groß und die Signale erfolgen zu spät um auf kurzfristige Trends zu reagieren.
Somit ist die angemesse Wahl von Art und Dauer der Durchschnittsbildung wesentlich für die Qualität der erhaltenen Signale.

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